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Call for Papers 

Der INA ISINGSPREIS für glashistorische Beiträge

Die „Stiftung Historisches Gebrauchsglas“ (www.hethistorischgebruiksglas.nl) dient der näheren Erforschung von historischem Glas: Objekte, die sowohl im Alltag wie auch bei speziellen Anlässen oder Feierlichkeiten zum Einsatz kamen. Auf der Suche nach spannenden Artikeln zu diesem Thema sind Sammler/innen, Antiquitätenhändler/innen, Kuratoren/innen, Restauratoren/innen sowie Volontäre/innen und Studierende aufgerufen, ihre Kenntnisse und Thesen auf Papier zu bringen. Ermöglicht durch einen Fond erhält der/die Verfasser/in des besten Beitrages ein Preisgeld in Höhe von € 1.000,-.

 Frau Prof. Dr. Ina Isings, ehem. Hochschulleherin am Archäologischen Institut der Universität Utrecht und ehem. Kuratorin der Archäologischen Sammlung der „Provinciaal Utrechts Genootschap van Kunsten & Wetenschappen“ hat dem Glaspreis Ihren Namen verliehen.

 Der eingereichte Artikel wird von einer Jury bewertet, die sich aus einem ausgewählten Kreis von Glasexperten aus unterschiedlichen Bereichen zusammensetzt. Nach der erste Preis für 2016 laden der Vorstand und die Jury jeder ein zu der zweiten Runde, für den Ina Isingspreis 2018. Wir sehen daher Ihren Beitrag mit Interesse. Schließen Sie die Einreichung spätestens bis zum 1. Januar 2018.

Der eingereichte Artikel sollte folgenden Bedingungen erfüllen:

·        Der Beitrag ist in der niederländischen, englischen oder deutschen Sprache zu schreiben,

·        umfasst max. 3.500 Wörter,

·        wurde bisher noch nicht publiziert,

·        ist wissenschaftlich fundiert, muss jedoch auch für interessierte Laien verständlich sein.

·        Der Text ist als WORD-Dokument, die Abbildungen als JPG-Dateien einzureichen.

·        Durch Einsendung eines Beitrags wird eingestimmt mit der Veröffentlichung von den

Artikel unter der Verantwortung der Stiftung Historisches Gebrauchsglas (Stichting

Het Historisch Gebruiksglas).

Für Fragen und Einträge wenden Sie sich bitte an folgende Kontaktadresse: glasprijs@hethistorischgebruiksglas.nl  

 

Errichtung
Vorstand
Mitgliedschaft
Vereinsblatt
Activitäten
Erven Lucas Bols
Rykseigendom

ERRICHTUNG
Am 6. Juni 1979 wurde der Sammlerverein "De Oude Flesch" bei einer Tagung im Bols-Museum in Nieuw Vennep errichtet.  Bei dieser Tagung waren 16 Mitglieder anwesend. Zur Zeit zählt der Verein etwa 180 Mitglieder, darunter auch einige Ausländer, wie z.B. etwa 15 Sammler aus Deutschland

VORSTAND
Der Vorstand der "De Oude Flesch" besteht aus:

Willem van Traa  - Vorsitzende                
wvantraa@xs4all.nl
Joke Andringa    - Sekretärin                    
d.andringa@upcmail.nl
Klaas Prins          - Schatzmeister  -         
klaasprins43@gmail.com
                                Vize Vorsitzende
Arie Vijfvinkel      - 2e Sekr. und P.R.       vijfvinkel@hotmail.com

 

MITGLIEDSCHAFT
Der Mitgliedsbeitrag beträgt € 40.00 pro Jahr. Auch besteht die  Möglichkeit, für € 10.00 pro Jahr "Hausgenossenmitglied" zu werden. Pro Haushalt wird 4x im Jahr das Vereinsheft zu geschickt.

Für eine Anmeldung der Mitgliedschaft von "De Oude Flesch" können Sie Kontakt aufnehmen mit unserer Sekretärin: d.andringa@upcmail.nl

Möchten Sie weitere Auskünfte über "De Oude Flesch", dann können Sie Kontakt aufnehmen mit unserem P.R. Funktionär: A.Vijfvinkel vijfvinkel@hotmail.com

VEREINSBLATT
"De Oude Flesch" bringt jedes Quartal ein Heft mit interessanten Artikeln heraus.

 

Das Glashistorisch-Magazin geht auf die Suche nach Korrespondenten!

Die Welt des alten und antiken Glases in Europa ist nicht so groß, aber es passiert viel. Es finden Museumausstellungen statt und Verkaufsausstellungen bei Antiquitäten-Händler, es gibt nationale und internationale Treffen, neue Bücher erscheinen, Museum Kataloge und andere Publikationen in einer Reihe von Zeitschriften. Darüber hinaus steht regelmäßig interessantes Glas bei Auktionen, wie Fischer in Heilbronn, Bonham‘s in London und die vielen kleineren Auktionshäusern in vielen Ländern.

Natürlich ist die Aktualität  für eine vierteljährlich erscheinende Zeitschrift schwer zu folgen. Manchmal informieren die Organisatoren vorab und können wir das noch gerade mitnehmen. Aber meistens erfahren wir es zu spät und können wir leider nur melden über was vorbei ist.

Jedoch wollen wir unsere Leser so ausführlich wie möglich informieren, was los ist und was kommen wird. Deshalb sind wir auf der Suche nach Korrespondenten, Menschen die der Welt des alten und antiken Glas folgen und uns informieren können über interessante aktuelle Glasangelegenheiten. Keine langen Geschichten, meistens genügt eine kurze Meldung, was sich in Museen, Verbände, Messen und Auktionen wird passieren. Aber auch ein persönlicher Bericht einer Sitzung, oder eine Rezension eines Buches, das gefallen hat. Solange es informativ ist für unsere in der Geschichte des alten und antiken Glases interessierte Leser. Und wenn es möglich ist, möchten wir auch gerne ein paar Bilder sehen.

Der Redaktion wird alle Texte bearbeiten, kürzen, ergänzen, fehlende Bilder suchen und setzt alles in einer neuen Rubrik "Korrespondent". Längere Texte bleiben auch immer sehr willkommen.                                                                                                                              

Mit freundlichen Grüßen,

Coos Johan van Deursen, Soetens, Willem van Traa

 


AKTIVITÄTEN

 


AUSLÄNDISCHE ACTIVITÄTEN

 

 

DIE BEHÄLTER VON ERBEN LUCAS BOLS

 Peter Vermeulen  Ravenstein, Niederlande

Vorwort
Die Firma Bols ist seit langer Zeit ein typischer Likörfabrikant gewesen. Sie produzierte vornämlich für die reichen Amsterdamer Bürger. Erst gegen 1780 wurde mit der Herstellung von einem "Jan Hagel" Getränk wie Genever begonnen.
* Jan Hagel ist der Spottnahme für einen Mann des Volkes, vergleichbar mit der Figur des “Michels” in Deutschland.
In Jahr 1820 publizierte Bols eine Preisliste mit etwa 300 unterschiedlichen Likören, Bitters, Elixers und Genevern. Manche wurden niemals produziert, aber es war die Absicht wenigstens den grossen Konkurrent "Wynand Fockink" zu überbieten, der zu der Zeit "nur" 200 Sorten auf seine Preisliste zu bieten hatte!
Bols offerierte 5 Kategoriën alkoholischer Getränke:

1. "Exquise Liköre" wie Anisette, Crême d'Oranges, Fines de Portugal, Parfait d'Amour, Roosje zonder doornen (Röslein ohne Dornen), White Curaçao.

2. "Doppelt feine Liköre" wie Dubbele (doppelte) Pommeranz, Crême Virginal, Domini Alberti, Eau de ma Tante, Hoe langer hoe lekkerder (je länger je süsser), Kwartier voor vijven (Viertelstunde für Fünf Uhr), Willem I (Wilhelm I).

3. "Beste oder Reinische Liköre" wie Boezem Water (Busen Wasser), Kraam Water (Wochenbett Wasser) , Koliek Water (Kolik Wasser), Rijnlandsche Maag Bitters (Rheinländische Magen Bitters).

4. "Schiffs Liköre" wie Witte Schilletje (Zitronenlikör), Goud Water (Gold Wasser).

5. "Gewöhnliche Liköre" wie "Kraam Anijs" (Wochenbett Anis), "Kruidnagel Waters" (Kreutznagel Wassers) und wirklich ganz an letzter Stelle:  .....Genever oder Jenever.

Das holländische Volksgetrank Nr 1 stand also deutlich am Ende im Konzept von Bols.    

KRÜGE
Bis 1850 benutzte Bols keine "eigenen" Krügen für das Abfüllen teil ihrer Getränken.
Lokalkunden nahmen gewönlich eine eigene Flasche oder meistens einen deutsche Mineralwasserkrug mit zur Distillerie.
Für die Verkäufen ausserhalb Amsterdams wurden leere (Markenlose) Krüge aufgekauft von herumziehenden deutschen Händlern.
Ein winziges Etiket wurde am Krug aufgeklebt um den Inhalt zu beschreiben; z.B. "Fabriek 't Lootsje Koliekwater".
Gegen die Mitte des 19. Jahrhunderts wurden überall in den Niederlanden Wasserleitungsbetriebe errichtet. Dass verursachte einem ernsthafte Stagnation im Verkauf von deutsche Mineralwasserkrügen. Es lohnte deshalb nicht mehr für die deutschen Händler mit leeren Krügen herumzuziehen.
Ab 1854 bestellte Bols sich seine Krüge direkt von einer deutschen Krugfabrik. Bis zum heutigen Tage wurden die Krügen noch immer bei der gleichen Fabrik bestellt!
Die Bols Krüge wurden so bekannt in der Welt, dass - z.B. in Australiën – jede Tonkrug einem "Bols" genannt wurde (der s.g. "Maggi-effect"), auch wenn sich Genever eines anderen Herstellers oder sogar Mineralwasser darin befand.
Die Bols Krügen befassen im 19.Jh 1.21Lt (= 1 Mingel), 1Lt, 0.85Lt, 0.60Lt and 0.50Lt.
Im Ersten Weltkrieg stagnierte der Import deutscher Krüge. Sie waren von der Regierung zu “strategisch wichtigen Gütern” bestimmt worden, deren Export verboten war. Nach dem Krieg brauchte Bols selbstverständlich kurzfristig  eine grosse Anzahl Krüge.
Der deutsche Hersteller könnte schon lieferen, aber .... ohne die zeitraubende Fertigung der teuren Henkel.

* Seit 1879 war die Produktion von Krügen automatisiert worden, nur die Befestigung der Henkel war noch Handarbeit und deshalb relativ teuer.*

Da sich herausstellte, dass sich dadurch der Verkauf von Genever nicht verringerte, entschloss Bols sich, die Henkel weiterhin zu fortzulassen.
Nur die (Miniatur) Werbungs- und Musterkrüge haben den Henkel noch viele Jahrzehnte erhalten.
Wir könnten bezüglich der Standardkrüge von Bols vorsichtig schlussfolger:

1. Handgefertigte Krüge mit Blindstempel "Bols" sind produziert worden zwischen 1853 en 1879.

2. Machinell gefertigte "Bols"-Krüge, die mit einem Henkel vorsehen sind, sind  produziert worden zwischen 1879 en 1914.

3. Machinell gefertigte "Bols"-Krüge ohne Henkel sind produziert worden ab 1918 (bis heute).

Übrigens benutzte Bols, evenso wie z.B."E.Kiderlen", "M.Pollen & Zoon" und "J. van der Valk", in 1. Hälfte des 20.Jahrhunderts auch Glaskrüge mit Henkel für den Verkauf ihrer Produkte.

FLASCHEN
Besonders Liköre wurden von Bols in Glasflaschen verkauft, die gegenüber den Krügen, relativ teuer waren.

Es waren meistens grüne zylinderförmige Exsemplare mit einem langen Hals, hergestellt in der Glashütte von "Wed.Thyssens & Zoon" in Amsterdam.
Für den Export von Genever nach Ost- und West-Indiën, wurden –neben den Tonkrügen- auch die s.g. Kelderflessen (ohne Prägung) benutzt.

· Kelder ist ein alt-holländisches Wort für Kiste. Die konischen Vierkantflaschen wurden zu 12 für den Export verpackt.

Etwa 1820 enthielten die Likörflaschen 0.86Lt (45 Stück zusammen ergaben einen s.g. Anker) oder 0.43Lt (90 in einem Anker).

Die Kelderflaschen massen damals 1.21Lt (= 1 Mingel) oder 1.82Lt (= 12 Mingel).

Merkwürdigerweise ist nur eine Type Kelderfles mit Prägung “Bols” bekannt. Dies hat mutmasslich mit der Betriebkultur zu tun: Genever wurde als ein minderwertiges Produkt angesehen. Bols mochte seinen guten Namen lieber nicht auf so einer ganz gewöhnlichen Geneverflasche abgebildet sehen.
Die einzige bekannte Kelderflasche hat die Prägung "1575 BOLS AMSTERDAM". In Anbetracht der Seltenheit der Flasche und die zum Zeitbild passende Merkmale ihrer Fertigung lassen den Schluss zu , dass diese Flasche nur hergestellt wurde zur Feier des 300- jährigen Jubileums im Jahre 1875.
Im Gegensatz zu den meisten  Amsterdamer Distillerien, die für den Transport zu Läden und Kneipen Demi-johns aus Glas benutzten , hielt Bols für diesem Zweck aber fest an Tonkruken (in Massen von 1 bis zum  6 Stop. 1 holl. Stoop =  2,5Lt)
Der grösste Konkurrent von Bols "Wynandt Fockink" fing in 1837  mit dem Gebrauch von Flaschen an, geblasen in einer dreiteiliger Form, der s.g. Rickett’s mould. Dabei wurde der Firmenname im Boden als Prägung angebracht.
Bols folgte einige Jahren später ganz vorsichtig, aber der Umfang hielt sich in Grenzen.
Für einen Sammler ist es deshalb viel einfacher einer Rickett's moulded "Wynand Fockink" Flasche zu finden als eine "Bols".
In der 2. Hälfte des 19.Jh wurde der niederländischen Standart für den Inhalt von Flaschen geändert in einen internationalen Standart. Bols änderte deshalb den Inhalt seiner Flaschen in 0.85Lt and 0.425Lt. Die zylindrischen Flaschen für die teuren Liköre wurden mittelweile aus s.g. “schwarzem Glas” hergestellt und mit einem Cachet (Glassiegel) vorsehen mit dem kreisförmigen Text "ERVEN LUCAS BOLS AMSTERDAM" und wagerecht "'t LOOTSJE".

* ’t Lootsje heisst die kleine Scheune (in der Lucas Bols im Jahr 1575 mit seiner Destillerie begann).*

Die Etiketten zeigten ein Phantasiebild von Urvater Lucas Bols. Die Korken wurden in tiefrotem Lack gesiegelt. Die ordinairen Liköre wurden verpackt in einfache zylinderförmige Flaschen aus grünem Glas (ohne Siegel) Es gab nur winziges Etikett mit nur Namen und Nummer des betreffenden Liköres.

Im Anfang des 20.Jht änderte sich  der internationale Standard der Masse aufs Neue und auch Bols übernahm die Inhaltsmasse: 2Lt, 1Lt und ½Lt für Krüge und Kelderflaschen und 0.75Lt und 0.375Lt für die Likörflaschen. Das Siegel verschwand.
Neben vorgenannte Flaschen benutzte Bols noch einige andere Flascghentypen:

*Die s.g. Zara, eine mit Binsen  umflochtene schlanke Flasche für die Verpackung von Maraschino-Likör (Marasquin). Das Wort "Zara" stammt von der gleichnamigen Hauptstadt von Dalmatiën, wo die berühmte Griottes (einen Art von Kirschen) wachsen, aus denen der Marasquin bereitet wurde.
In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die Zara’s (0,60Lt und 0,30Lt) mit einem Cachet "ERVEN LUCAS BOLS HET LOOTSJE" vorsehen. Im 20.Jh verschwand das Siegel. Nun wurden Einhaltsmassen von 0,75Lt, 0,50Lt und 0,25Lt verwandt.
 
*Die s.g. Greepfles (Greifflasche), inspiriert von dem deutschen Kuttrolf, wurde für die besseren Liköre benutzt.
In der 2. Hälfte des 19. Jht waren auch sie versehen mit einem Cachet "ERVEN LUCAS BOLS HET LOOTSJE". Die Flaschen (0,85Lt und 0,425Lt) waren grün oder schwarz.
Anfang des 20. Jht verschwand das Siegel und die Flaschenfarbe ist ausschliesslich grün.
Die Inhaltsmassen sind nun 0,75Lt und 0,375Lt.
Weiterhin (20.Jh) wurde eine Luxusausführung der Greifflasche aus Kristall herausgegeben, geätzt mit einer Zeichnung von " 't Lootsje" und oben auf den Kristall stopfen das Wort "BOLS".
In 1954 wurde eine stylierte Form (maschinell hergestellt) der Greiffflasche benutzt für das Produkt Jonge Jenever "Claeryn".

*Das s.g. Achtkantje (Achtseiter) wurde in der 2. Hälfte es 19. Jahrhunderts benutzt mit dem Cachet "Erven Lucas Bols Het Lootsje". Hergestellt aus klarem Glas. Inhalt 0.85Lt beziehungsweise 0.425Lt und gefüllt mit  "Curaçao White Dry Extra". Im 20.Jh verschwindet auch hier das Siegel und die Inhaltmasse varieren von 0.125Lt bis 1Lt.
 
*Die s.g. Kattekop (Katzenkopf) oder “Dutch Onion” wurde in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts versehen mit einem Cachet "Erven Lucas Bols Het Lootsje". Hergestellt aus dunkelgrünem Glas. Inhalt 0,85Lt beziehungsweise 0,425Lt  und gefüllt mit "Curaçao Brown Dry". Im 20.Jh verschwindet      auch hier das Siegel und das Gefäss wird für den Transport von  Whiskey benutzt!        

Dank
Ich möchte Herrn Jürgen Böhrens (Plön) herzlich danken für seine Beihilfe beim Übersetzung

Literatur:
"De lange levens van zeven Nederlandse bedrijven" von Wim Wennekes. 1990.
"De branderijen in Holland tot het begin der negentiende eeuw" von P.J. Dobbelaar. 1930
Verschiedene Beiträge im Quartalheft von Sammlerverein "De Oude Flesch" von Lodewijk van Sint Maartensdijk (+, ehemaliger Archivar von Bols, zwischen 1979 und 1995.)

Abbildungen:
1.
  Likörflasche
2.
   Siegel Likörflasche
3.
   2 Zara’s
4.
   Siegel Greifflasche
5.
   Siegel Zara “BOLS”
6.
   Siegel Zara “ ’t Lootsje”
7.
   Greifflasche
8.
   Greifflasche
9.
   Kelderflasche “1575”
10. Kelderflasche “1575”
11.
Ansichtskarte Kutsche
12.
Ansichtskarte Bauernglück
13. Werbeplakat Dienerin
14.
Werbeplakat Cupido’s
15. Holzschnitt von der alten Distillerie
16.
Etiket “Het Lootsje”
17. Mini Zara
18. Ausgiesser

Kelderfles BOLS  1875Kelderfles BOLS 1875Cachet (glaszegel) op likeurflessenDrie maten likeurflessen met cachetCachet van gelige maraschinoflesCachet van groenige maraschinofles

Twee BOLS zara's met cachetBOLS reclamekaart rond 1930



 

 

RYKSEIGENDOM

============

Peter Vermeulen

Deutsche Bearbeitung: Kristian Humbsch

I. Vorwort

Von Oktober 1967 bis November 1970 diente ich als Offizier in der damaligen TRIS (Truppenmacht in Suriname, Südamerika) in der Hauptstadt Paramaribo.

Dort begann mein Hobby:

das Sammeln von antiken Gebrauchsflaschen.

Diese Flaschen waren damals an den historischen Aufenthaltplätze zu finden; vor allem auf den alte Plantagen, an den Flussufern entlang and am so genannten Kordonpfad.
Dieser Pfad bildete damals eine nicht genau fixierte Grenze zwischen holländisch dominiertem Plantagengebiet und dem Dschungel, in dem die Bosneger (entflohene Sklaven und ihre Nachfahren) und die Indianen frei lebten.
So begann mein Abenteuer in jenem Land. Das Suchen nach den weggeworfen Flaschen war keine Leichtigkeit. Eine gute Fundstelle war z.B. hinter dem Balkon eines mittlerweile zerfallenen und oft überwucherten Plantagenhauses. Meistens gab es dort einen kleinen Bach und die geleerten Flaschen wurden dort manchmal herein geschmissen.
Im weichen Boden blieben die Flaschen meist unversehrt. Weiter froren sie nicht kaputt und .... es gab dort nicht das Glas-Recycling wie in Europa.
Bei der Suche musste man ein breites Brett unter den Arm mitnehmen. Wer in dem Schlamm geriet, brauchte solche Hilfsmittel um wieder herauszukommen. Meistens gab es dort kein Menschen zum Helfen.
Aber das Schlimmste waren die Mücken, die in unheimlichen Mengen aus dem Gebüsch herausflogen auf Jagd nach deinem köstlichen Blut.
Teilweise könnte man sich entsprechend kleiden, aber dann ertrank man fast im eigenen Schweiß im heißen feuchten Klima.
Später war ich so glücklich einheimische Kinder zu finden, die bereit waren gegen ein kleine Belohnung alte Flaschen zu suchen. Da es für Europäer nicht gerade vernünftig war das örtliche Wasser zu trinken, waren die meisten gefundenen Flaschen:

- Geneverflaschen, das zulaufende rechteckige Model, die sog. Kelderflasche ("kelder" ist ein alt-holländisches Wort für Kiste, wo sie mit zwölf zugleich eingepackt wurden).

Öfters versehen mit der Prägung (Reliefbuchstabierung), wie z.B. "E.KIDERLEN","VAN PRAAG SURINAM GIN","COSMOPOLIET" oder mit einem Glassiegel (Cachet), wie "BLANKENHEYM & NOLET", "THEODS C. MELCHERS"

- Weinflaschen, meist in Bordeaux-Form:

- Einliter-Bierflaschen (Djogo's in Takki-Takki Sprache). Bekannt ist die Bierflasche (in Rickett’s Form geblasen) mit Bodenprägung "P&A RENDORP AMSTERDAM"

- Deutsche Mineralwasserkrügen aus Ton mit Einprägung

"BRUNNENWASSER" oder "MINERALWASSER" aus Trier, Nassau, Ems, Bad Pyrmont und anderen.
In den Stadt Paramaribo könnte man die Ufer des Suriname Flusses entlang oder im Fall von Ausgrabungen in der Innenstadt auch noch verschiedene andere Arten von Flaschen finden. Am meisten waren es Parfüm und Kölnisch Wasser Flaschen.

Wahrscheinlich um damals den Schweißausdünstungen zu übertreffen.

Aber mein persönlicher Favorit wurden dann die Flaschen mit Glassiegel "RYKSEIGENDOM" (= Reichseigentum).

II. "RYKSEIGENDOM" Flaschen

Das sind zylinderförmige Flaschen benutzt für Medizin in den Militärapotheken und Hospitälern.
Die Flaschen wurden verfertigt in verschiedene Glasfarben, wie grün, schwarz, amber, gelb und aqua (hell blaugrün). Die Masse variierten zwischen 0,05 bis 5 Liter. Die älteren Exemplare (etwa vor 1850) waren noch frei geblasen mit Abriss.
Aus dem 20.Jahrhundert folgen noch Exemplare mit dem
Glassiegel "DOMEINSEIGENDOM" (= Domäneneigentum).
Die meiste "Rykseigendom" Flaschen sind in Suriname gefunden worden. Dass lässt sich erklären. In Paramaribo befanden sich ein Militar- und ein Landes- (Reichs) Hospital. Die viele tropischen Krankheiten förderten ein intensiven Medizingebrauch. Auch gab es höchstwahrscheinlich keine Pfandflaschen-Retourlinie, wie in den Niederlanden.
Von den elf Flaschen meiner Sammlung wurden acht in Suriname gefunden, eine in Alkmaar (dort gab es eine Kadettenschule mit Apotheke) dazu je ein Exemplar in Middelburg (Marinebasis) und in den USA. Dieses Exemplar ist dort wahrscheinlich von Amerikanern aus Suriname mitgenommen.
Dazu ein französisches Äquivalent mit der Prägung "HOPITAUX COLONIES" (10cm; 0,15lt) aus Fransözisch-Guyana (Südamerika).

III Die Rijkseigendom Münze

Eine überraschende Ergänzung erfuhr diese Sammlung durch das Geschenk von einem belgischen Vereinsmitglied.
Eine sinke Münze (3cm im Durchmesser): Avers "MILITAIRE APOTHEEK" und Revers "RIJKSEIGENDOM".
Ich habe darüber publiziert in einem Militarznei Zeitschrift "De Polsslag" und ich habe mich erkundigt beim "Rijksmunt" (Reichsmünz) wo die niederländische Münzen geschlagen wurden und beim "Penningenkabinet" (Pfenningenkabinett), ein Art Münzenmuseum.
Aus den verschiedene Reaktionen, die ich bekommen habe, stellte sich heraus:
Es existieren auch Münzen mit einem Wertaufdruck (8 und 15 Cent).
Das Büchlein "Pharmaceutische penningen, plaquettes en draagtekens" (Pharmazeutische Pfennigen, Plaketten und Tragzeichnen) von Dr. D.A. Wittop Koning vermeldet darüber noch das Bestehen von einer Variante in Kupfer.
Bis 1953 waren diese Münzen noch als Pfandgeld im Gebrauch gewesen!

Auch der Konservator von "Het Nederlands Muntmuseum" in Utrecht kommt in seinem Artikel "Penningen Militaire Apotheek" zum gleichen Ergebnis.
Die Rijkseigendom-Münzen wurden beim Kassierer in der Kaserne gekauft. Beim Abholen der Medizin in Flaschenverpackung musste eine Münze abgegeben werden. Die Münze wurde wieder zurückgegeben beim Zurückbringen der leeren Flasche. Die Medizin selbst wurden übrigens umsonst ausgegeben.
Beim Kassierer konnte man die Münzen wieder umtauschen gegen Bargeld.
Der Vorteil des Glassiegels "Rykseigendom" für die Militärapotheken war, dass man die eigene Flaschen immer zurück bekam. Andere Flaschen konnten verweigert werden.
Aber im 20.Jh kostete das handangebrachte Glassiegel mehr als die Flasche selbst! Meiner Meinung nach wurde deshalb das Siegel von der Münze ersetzt.
Der Rijksmunt in Utrecht hat diese Münzen auch im Nachkriegszeit noch bis 1956 geschlagen. Im Total 55.500 Stück.
Das Pfandgeldsystem war noch bis 1963 in gebrauch.

IV Zur Historie

Das Glassiegel mit "RYKSEIGENDOM" wurde nach der Gründung des Koninkrijk der Nederlanden unter König Willem I (1815) eingeführt.
Doch vermeldet - das sehr lesenswürdiges - Buch von Johan Soetens "In glas verpakt, kunst, kitsch en koopmanschap" auf Seite 111 "Een bijzondere reeks eigendomzegels vindt men op de medicijnflessen van het Nederlandse leger, die omstreeks 1800 in de West-Indische koloniën gebruikt werden."
(Eine besondere Serie Eigentumssiegel findet man auf den Medizinflaschen der holländischen Armee, die um 1800 in den westindischen Kolonien gebraucht wurden).
Es ist deutlich, dass diese Glassiegel nicht nur in West-Indien gebraucht wurden, sie sind auch von etwas späterem Datum als Soetens behauptet.
Auch W.A. Klein schätzt in seinem Artikel "Antieke gebruiksflessen in Suriname" das Altertum dieser Flaschen etwas zu hoch.
Im Bezug auf die Schreibweise soll es zwei Kategorien geben. Mit dem Buchstabe "Y" in Rykseigendom deutet er: Endes 18.Jh.
Auffällig ist weiterhin, dass er die Flaschen mit dem Buchstabe "IJ" in Rijkseigendom später schätzt (Mitte 19.Jh). Für diesen Unterschied habe ich übrigens nirgendwo einige Unterstützung finden können.
Meine - von der Herstellungstechnik her - jüngste Flasche dieses Typs (früh 20.Jh) hat ein Glassiegel mit "Rykseigendom", also mit Buchstabe "Y".
 

N.B.: In der holländische Sprache wurden die Buchstaben "Y" und "IJ" öfters durcheinander gebracht und geschrieben.

Früher wurde auch die Buchstabe "Y" als "IJ" benutzt.

 

Abbildungen:

1. Glassiegel "RYKS-EIGENDOM *" (mit Strich und Sterne)

2. Glassiegel "RYKSEIGENDOM" (zusammengeschrieben, ohne

Sterne)

3. Flaschen in gelb und amber von 0,25 bis 2,65Lt

4. Flaschen in aqua und grün von 0,05 bis 0,40Lt

5. Flasche, in klares Glas "HOSPITAUX COLONIES" 0,06Lt.

Die gelbe Farbe stammt von einem Residu der ursprünglichen Medizin

6. Zinken Münze "RIJKS-EIGENDOM" (mit ij)

7. Kehrseite der Münze "MILITAIRE APOTHEEK"